Neue Publikation: 32 von 34 Universitäten nutzen inzwischen R in der Psychologie
Vor ein paar Jahren hätte man in der psychologischen Methodenlehre vermutlich noch wetten können:
„SPSS wird ewig dominieren.“
Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.
In unserer aktuellen Untersuchung zur Methodenlehre an deutschen staatlichen Universitäten zeigte sich ein ziemlich eindeutiges Bild:
- 32 von 34 Universitäten lehren inzwischen R.
- SPSS liegt deutlich dahinter.
- Bayesianische Statistik taucht bereits an mehr als einem Drittel der Universitäten auf.
- Open Science und Replikation sind fast überall angekommen.
- Und erstaunlich viele Universitäten lehren tatsächlich Kontrastanalyse.
Gerade letzteres ist bemerkenswert. Kontrastanalyse wird in der Forschung vergleichsweise selten genutzt, obwohl sie klassischen Post-Hoc-Tests oder unspezifischen ANOVA-Effekten häufig überlegen ist. In der Lehre scheint sich dieses Wissen offenbar bereits stärker etabliert zu haben als in der Forschungspraxis selbst.
Für die Studie haben wir Methoden-Professuren von 51 staatlichen Universitäten kontaktiert und untersucht, welche Themen in der Bachelor-Methodenlehre tatsächlich unterrichtet werden. Dabei ging es nicht nur um Statistiksoftware oder einzelne Verfahren, sondern um eine grundlegendere Frage:
Gibt es in der psychologischen Methodenlehre in Deutschland bereits einen impliziten Konsens?
Die Antwort lautet offenbar: zumindest teilweise.
Neun Themen werden tatsächlich an allen untersuchten Universitäten gelehrt – darunter t-Tests, ANOVA, Effektgrößen, Konfidenzintervalle und Poweranalyse. Gleichzeitig unterscheiden sich die Universitäten bei vielen anderen Themen erstaunlich stark. Manche lehren bereits Machine Learning oder Bayesianische Statistik im Bachelorstudium, andere kaum oder gar nicht.
Warum ist Konsensbildung überhaupt relevant? Nach Thomas Kuhn gilt wissenschaftlicher Konsens als ein Kennzeichen reifer Wissenschaften. Besonders interessant ist dies in der Methodenlehre, da viele ihrer Inhalte – etwa Statistik, Studiendesign oder Inferenz – nicht spezifisch psychologisch sind, sondern disziplinübergreifend verwendet werden. Konsens zeigt sich laut Kuhn vor allem darin, was Studierende lernen und welche Beispiele, Methoden und Denkweisen als grundlegend vermittelt werden.
Vielleicht verrät die Methodenlehre daher mehr über den aktuellen Zustand der Psychologie, als manch inhaltliche Grundsatzdebatte.
Der vollständige Artikel ist hier frei verfügbar:
Und natürlich auch auf dieser Website: https://johannestitz.com/Sternkopf%20et%20al.%20-%202026%20-%20Einheitlich%20oder%20divers%20Die%20Methodenlehre%20im%20Bachelor-Psychologiestudium%20in%20Deutschland.pdf
Die Daten und Analyse-Skripte sind ebenfalls offen auf GitHub verfügbar:
Und falls Ihr Euch jetzt fragt, ob Eure Universität bei den „Methoden-Nerds“ gelandet ist: Die Distanzmatrix im Paper gibt eine grobe Orientierung.